Samstag habe ich zum ersten Mal die MainWürfelCon in Würzburg besucht. Dabei handelt es sich um eine Ein-Tages-Convention, die in den Räumen des Kilianeums im Zentrum Würzburgs stattfindet. Das Kilianeum liegt unmittelbar neben der Würzburger Residenz und wurde im 17. Jahrhundert als Kloster erbaut, von 1872 bis 1998 diente es als Internat und seit 2000 ist es das Haus der Jugend der Diözese Würzburg. Das ist nicht von geringer Relevanz, denn durch die Architektur des Gebäudes ist es ideal für eine Rollenspiel Convention.


Wir sind relativ zeitig losgefahren, da die Con um 10:00 Uhr eröffnet wurde und man von mir aus etwas länger als eine Stunde braucht. Online konnten sich Spielleiter vorab für Zeitslots anmelden und die Agenda des Tages war auch größtenteils bereits veröffentlicht, allerdings konnte man sich erst vor Ort für seine Wunschrunden als Spieler eintragen. Hier kommt der eigentlich einzige Wermutstropfen: Jeder Spielleiter hängt seinen Zettel mit der Rundenbeschreibung und der Spielerliste zum eintragen aus, wenn er bei der Con eintrifft. D.h. als wir um kurz nach 10 unsere Runden eintragen wollten, hingen viele Runden noch nicht am Brett. 10:30 Uhr begannen die ersten Abenteuer und in der Zwischenzeit sind auch die letzten Spielleiter eingetroffen. Wenn man also mit einer der ersten Runden startet ist das Risiko groß, dass man in der Zwischenzeit nicht die Gelegenheit hat, sich für spätere Runden noch rechtzeitig einzutragen. Aber das ist wie gesagt der einzige Kritikpunkt und egal wie es geregelt wird, es gibt keine perfekte Lösung. Außerdem gab es auch später noch genug nicht voll besetzte Runden, in die man sich registrieren konnte.

Schwarzes Gold
Café Dom@in

Wenn man nun die Wunschrunden gewählt hat, ist der zentrale Anlaufpunkt im Gebäude das Café Dom@in. Hier wird man zu sehr fairen Preisen bestens mit Sandwiches, Salat, Schnitzel, Pommes, Obst, Getränken etc. verköstigt, eine optionale Tee- und Kaffee-Flatrate ist für nen Fünfer auch erhältlich. Man kann sich gemütlich an Tischen niederlassen, eine Runde Billard spielen oder seine Preise der Tombola abholen. Wenn der Startzeitpunkt für die Runde ansteht, werden im Café außerdem die Rollenspielgruppen und Spielleiter aufgerufen und nette Helfer der Convention geleiten Spieler und Leiter zu den vorgesehenen Räumen. Diese sind in der Regel ehemalige Klassenzimmer, die sich über die einzelnen Gebäudeflügel verteilen. Daher hat man als Spielrunde so gut wie keinen Umgebungslärm und kann sich in Ruhe dem geliebten Hobby hingeben. Sehr praktisch ist die Tatsache, dass viele sanitäre Einrichtungen überall im Gebäude vorhanden sind. So kann man während des Spiels schnell mal um die Ecke gehen, ohne die Runde unnötig lang zu unterbrechen. Die Sauberkeit war übrigens prima!

 Mein eigener Rollenspieltag startete mit einer Partie No Return, dem Endzeit-Rollenspiel. Es war meine erste No Return Erfahrung und es hat ziemlich Spaß gemacht, auch wenn mein Charakter am Ende von meinen treulosen Kameraden aus dem Heli geworfen wurde. Dabei wollte ich sie nur etwas anknabbern, weil Rhino so schön fleischig aussah. Das Spiel hat mich sehr an Shadowrun erinnert, man spielt ebenfalls mit einem W6-Pool, allerdings zählt man alle Augen zusammen und es gibt den sogenannten Hazard-Di, einen farblich unterschiedlichen Würfel im Pool, der als einziger explodieren kann. Ein wenig verstörend war der Würfelwurf eines meiner Mitspieler, der eine Doppelstraße ergeben hat o.O


In der Umsetzung am Tisch hat No Return gut funktioniert, das System bietet viel Gun-Porn und Equipment was mit Regeldetails wie Rückstoß, Körpertrefferzonen, etc. unterstützt wird. Allerdings war ich etwas erschlagen von den unzähligen Fertigkeiten und ich war überrascht, dass es neben den vielen Kampfregeln und -möglichkeiten nur sehr wenig Regeln für die taktische Bewegung gibt. Die Schnelligkeit gibt an, wie weit man sich pro Runde in Metern bewegen kann, durch Rennen gibt es eine höhere Reichweite. Logisch. Aber im großen und ganzen war es das schon. Das hat die Kämpfe sehr flott gemacht und man musste nicht wie bei anderen Systemen dauernd Kästchen zählen. Nach dem Spiel habe ich mit das Corebook am Stand von No Return gekauft, für knapp 40 Euro bekommt man ein 300 Seiten Hardcover Buch, der Preis ist absolut fair und das Projekt sollte man auf jeden Fall unterstützen. Für ein Hobbyprojekt (Kleinunternehmerschaft zähle ich jetzt mal als Hobby) im Eigenverlag ist das schon ein ordentliches Werk, auch wenn mir das Artwork größtenteils nicht gefällt. Mit dem Zeichenstil des Autors werde ich einfach nicht warm und die graphischen Gastbeiträge von Fans sind auch sehr heterogen. Aber wie gesagt, support the Underground!

Parallel zu den bunt gemischten Runden vieler Systeme gab es auch organisierte Spiele der Pathfinder Society, die für registrierte Mitglieder aber auch für interessierte Neueinsteiger offen standen. Das war dann auch meine zweite Spielrunde an dem Tag und ich habe mal die Feinheiten und Unterschiede zwischen meinem lang vertrauten D&D3.5E und Pathfinder (also quasi Version 3.75E) kennen gelernt. Die Runden der Pathfinder Society fanden in einer kleinen Turnhalle statt und entsprechend war hier der Geräuschpegel etwas höher. Die Tische standen aber weit genug auseinander, dass man trotzdem gut spielen konnte, ohne sich gegenseitig anschreien zu müssen. Als Schmankerl habe ich durch die Gunst der Würfel auch noch einen der 10$ Paizo-Gutscheine gewonnen, die unter den Spielern an den Tischen verschenkt wurden.

Wer nicht gerade an einer Rollenspielrunde teilnimmt hat auf der MainWürfelCon in einem der großen Gänge und in einem separaten Raum die Möglichkeit, aus einer sehr üppigen Vielzahl von durch die Orga bereitgestellten Brettspiele welche auszuwählen und direkt zu spielen. Es gab auch hier unterstütze Runden z.B. durch Asmodee, aber auch Angeleitete Runden von Mangohuhn mit einem Prototyp des Brettspiels Zombie Polonaise. Da ich selbst aber nicht mitgespielt habe, kann ich dazu nicht viel sagen, es sah aber lustig aus.

 

 

Natürlich trifft man auf so einer Con auch Lokalprominenz aus der Rollenspielszene, in meinem Fall bin ich dem dem Chefeskapist und Moderatoren-Mastermind Martin vom Eskapodcast über den Weg gelaufen, der gerade seine Feinde bei einer Partie RuneWars weggefegt hat. Dabei ist mir ein seltener Schnappschuss von ihm gelungen, denn in den sogenannten sozialen Medien ist Martin weniger präsent.

Auf Facebook ist daher Carsten der Sendbote des Eskapodianer und er war ebenfalls auf der MWC anzutreffen und hat als Spielleiter einige Runden Cthulhu angeboten. Carsten ist in der Cthulhu-Szene selbst als Autor und Organisator sehr aktiv und ich hatte das unaussprechliche Vergnügen unter seiner Leitung das UltraKurzAbenteuer Same Procedure zu spielen, für das er zusammen mit seinem Co-Autor Alexander Jandt 2013 den ersten Platz beim 3. Winter-OPC erzielt hat. Ich möchte zu der Runde gar nicht zu viel verraten, da ich nichts spoilern möchte. Genial war auch die Location, wir haben das Abenteuer nämlich in einem Gewölbekeller des ehemaligen Klosters gespielt, was für die Stimmung ungemein förderlich war. Auch meine Mitspieler waren ein Highlight: Swen Harder, Autor der überaus erfolgreichen Spielbücher Reiter der Schwarzen Sonne und Metal Heroes and the Fate of Rock war mit seiner Partnerin dabei und ein Rollenspiel-Einsteiger, der auf der MWC zum aller ersten Mal an einem Pen & Paper Rollenspiel teilgenommen hat! Ist das nicht genial? Es gibt ihn, den oft vermissten Nachwuchs!


Nachdem ich dann in den letzten Sekunden des Abenteuers drei viertel der Charaktere inklusive mir erschossen hatte und uns somit vor der ewigen Verdammnis bewahrte (ganz ehrlich! bestimmt!), hatte ich noch die Gelegenheit gemütlich im Café mit den Organisatoren der MWC und den Eskapodianern zu quatschen.

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die ich auf jeden Fall fest in das Con-Pflichtenheft eintragen werde! Wer noch nicht hier war, hat echt etwas verpasst!
Zum Schluss noch ein paar Infos für Freunde der Statistik: 300 Gäste haben in der Zeit von 10:00 bis ca. 24:00 Uhr an 50 RPG-Spielrunden teilgenommen.
Gratulation an die Organisatoren!